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  • Juni 2026
  • FVM News

Aktienbörsen ein Casino? Nicht für echte Investoren!

Erfolg an den Kapitalmärkten hat weniger mit einem Spiel zu tun, sondern mit langfristigen strategischen Entscheidungen. Wer investiert statt spekuliert, kann kurzfristige Schwankungen einfach hinnehmen.

Kolumne von FVM-Geschäftsführer Claus Walter

Ich werde häufig gefragt, ob mich dieses ständige Hin und Her an den Börsen nicht verrückt macht. Die Frage ist verständlich, denn auf den ersten Blick sieht alles wie ein großes Spiel aus, wenn die Märkte mal wieder Achterbahn fahren. Tatsächlich gibt es hier-wie bei „Mensch ärgere Dich nicht" oder „Monopoly" - Gewinner und Verlierer sowie einige Ähnlichkeiten, wenn es um kurzfristige Reaktionen geht. Ähnlich wie beim „Blackjack" oder „Pokern" ist der Weg von der Gewinnsträhne bis zum Totalverlust nicht weit, wenn man immer mit großen Einsätzen und hohem Risiko spielt. Hier lassen sich einige Erkenntnisse aus der Verhaltenspsychologie und Spieltheorie anwenden. So mancher Spekulant nutzt die Märkte wie ein großes Roulette, und es gibt immer wieder Geschichten über erfolgreiche Börsenzocker. Dagegen wird über die vielen, die sich verzocken meiner Erfahrung nach eher weniger gesprochen. Manchmal ist es auch wirklich nervenaufreibend, wenn ein Satz auf Twitter und Co. milliardenschwere Spuren an den Märkten hinterlässt. Aber das hat alles eigentlich kaum etwas mit langfristigen strategischen Investments zu tun, denn das ist quasi das Gegenteil von Spekulation und tagesaktueller Schwankungspanik. Ein Glückspiel ist das für mich nicht.

Keine statistische „Null" für Börseninvestments
Denn eigentlich weiß es jeder: Im Casino gewinnt am Ende immer nur die Bank. Mathematisch betrachtet ist es nur eine Frage der Anzahl von Wiederholungen, bis die Spieler verlieren. Ganz ähnlich läuft es, wenn man die Kapitalmärkte als Roulettetisch nutzt. Man kann Glück haben, aber sollte nicht zu lange warten, die Einsätze in Sicherheit zu bringen. Denn wie im Casino halten solche Strähnen unseren Erfahrungen nach nicht ewig an. Langfristige Investments in Anteile von soliden Unternehmen funktionieren hier prinzipiell anders. Denn im Gegensatz zur klassischen Spieltheorie sind Börsenkurse auf Dauer kein Nullsummenspiel. Wächst die Wirtschaft insgesamt, können Unternehmenswerte und Gewinne zulegen, ohne dass es automatisch eine Verliererseite geben muss. Ein solides Geschäftskonzept kann sich über viele Jahrzehnte auszahlen, so manches Traditionsunternehmen beweist seit mehr als hundert Jahren immer wieder seine Innovationsfähigkeit. Es gibt auch keinen statistischen Kipppunkt wie im Casino, dass es nach hundert oder tausend Spielen sehr unwahrscheinlich wird, weiterhin zu den Gewinnern zu gehören. Klar, auch an der Börse ist theoretisch immer der Totalverlust möglich. Aber statt alles immer auf die eine Zahl zu setzen, investieren schlaue Investoren nicht nur in ein spannendes Unternehmen, sondern in verschiedene Branchen, Regionen, Anlageklassen und Währungsräume. Sie können durch diese Diversifizierung, das Verteilen ihres Vermögens auf möglichst voneinander unabhängige Investments, Einzelrisiken streuen. Dann geht vielleicht mal an einer Stelle etwas schief, dafür läuft es woanders besser, und das gleicht sich im Idealfall aus. Dass alle Depotbestandteile von Unternehmensaktien über festverzinsliche Wertpapiere bis zu Edelmetallreserven gleichzeitig komplett abschmieren, ist dann doch wieder recht unwahrscheinlich. Und es gibt noch einen ganz grundsätzlichen Unterschied zwischen Anlegern und Casinobesuchern: In der Vergangenheit galt ganz klar eine Regel: Je länger sie mit-spielten, desto eher gehörten strategische Investoren zu den Gewinnern. Denn solche Strategien haben bisher vor allem dann besonders gut funktioniert, wenn Anleger nicht nur einen Zeithorizont von Wochen oder Monaten hatten, sondern sich auf Qualitätswerte konzentriert haben, die sie für Jahre oder besser noch Jahrzehnte behalten haben. Um also auf die eingangs erwähnte Frage zurückzukommen: Das Auf und Ab an der Börse macht mich nicht nervös, es ist letztlich ganz normales Tagesgeschäft.

Fazit: Börsenerfolg ist eigentlich langweilig!
Denn auf Dauer ist es nicht wichtig, ob die Kurse schwanken, sondern ob langfristig die Richtung stimmt. Wer in Anteile solide aufgestellter Unternehmen mit zukunftsfähigen Konzepten investiert, hat zwar auch keine Erfolgsgarantie. Aber von einem Glückspiel am „einarmigen Banditen" ist so etwas doch meilenweit weg. Hier werden echte Gewinne erzielt und mit einer Aktie erwerben Investoren letztlich Sachwertanteile von Unternehmen. Sie werden ein Stück weit Eigentümer von Fabriken, Patenten und Produktmarken und bekommen ihren Anteil, wenn damit wirtschaftliche Erfolge erzielt werden. Professionelle Investoren achten zudem darauf, eben nicht nur auf eine Chance zu setzen, sondern begegnen den immer vorhandenen Risiken mit strategisch breit aufgestellten Konzepten. Wer sein Vermögen so an den Kapitalmärkten investiert, spielt nicht und muss sich auch nicht vom Hin und Her wahnsinnig machen lassen. Letztlich sind Tagesschwankungen in aller Regel nachrangig und Aktienkurse folgen langfristig der Gewinnentwicklung. Wer hier die richtigen Unternehmen wählt, kann ganz langweilig dem Rat des legendären Börsengurus André Kostolany folgen: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich."

Die PDF wurde uns vom regionalen Wirtschaftsmagazin netzwerk südbaden zur Verfügung gestellt: netzwerk südbaden