- November 2025
- FVM News
Goldpreishoch – nachhaltige Rallye oder gehypter Rausch?

Das Edelmetall erzielt gerade Allzeitpreisrekorde und bietet eine lange Tradition als Werterhaltungsmittel. Ist es derzeit wirklich das perfekte Investment oder doch nur ein solider, aber begrenzter Baustein einer strategischen Vermögensstruktur?
Kolumne von FVM-Geschäftsführer Claus Walter
Gold glänzt schön, lässt sich gut zu Schmuck verarbeiten und ist dabei auch noch ein relativ seltenes Element auf der Erde. Doch der eigentliche Mythos dieses Edelmetalls für Anleger ist seine Geschichte als unverwüstliche Währung mit einer Tradition von mehreren tausend Jahren. Die ersten uns bekannten Goldmünzen stammen aus der Zeit rund 600 Jahre vor Christus und sollen von König Krösus geprägt worden sein, der wegen seines Reichtums legendär wurde. Dass Gold als besonders wertvoll galt, hat sogar eine noch viel längere Historie. Das zeigen die faszinierenden Goldfunde in den Gräbern ägyptischer Pharaonen, die den gottgleichen Herrschern ein luxuriöses Leben im Jenseits ermöglichen sollten. Aber was macht das Edelmetall in unserer heutigen Zeit so interessant, dass zuletzt der Preis ein neues Allzeithoch von über 4000 Dollar pro Unze erreichte?
Unsicherheit und Zweifel puschen Nachfrage
Dass gerade einmal 31,1 Gramm Gold, also weniger als ein Drittel des Gewichts einer Tafel Schokolade, derzeit umgerechnet mehr als 3500 Euro kosten, hat viele Gründe. Ein wichtiger sind die Unsicherheiten an den Märkten, die vom ungelösten Ukrainekrieg bis zur umstrittenen Zollpolitik Donald Trumps und den noch immer schwer absehbaren Folgen für Wirtschaft und die Zinsgestaltung durch die Notenbanken reichen. Auch die von der US-Regierung in Kauf genommene Abschwächung des Dollars trägt maßgeblich zu den Allzeithochs bei, denn Rohstoffe werden überwiegend in der etwas angeknacksten Leitwahrung gehandelt. Hinzu kommt noch ein grundsätzliches Problem: Immer mehr Staaten haben enorme Schuldenberge aufgebaut und statt abgetragen zu werden, wachsen die wohl in absehbarer Zeit kräftig weiter. In den USA betrug die Schuldenquote laut Internationalem Währungsfonds (IMF) zum Jahreswechsel bereits etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Europa lagen Frankreich mit rund 113 Prozent und Italien mit circa 135 Prozent in einem ähnlichen Bereich. Angesichts solcher Zahlen und teurer Herausforderungen - etwa Trumps Beautiful Bill'-Steuersenkungsprogramm oder die anstehenden massiven Investitionen in die europäische Verteidigungsfähigkeit - wird das globale Schuldenproblem wohl kaum kleiner werden. Das nährt die grundsätzlichen Zweifel, dass Papierwährungen wie Dollar oder Euro irgendwann entwertet werden könnten, um die Schuldenberge über eine Währungsreform quasi wegzuwaschen. Dass das wirklich passieren kann, wissen gerade wir Deutschen, denn hierzulande war das in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gleich zweimal der Fall. Auch wir als Vermögensverwalter tragen dem in unserer Strategie Rechnung. In den Portfolios unsere Kunden finden Sie stets auch einen Edelmetall-Notanker, um auch für solche Fälle vorbereitet zu sein. Allerdings glauben wir eher nicht, dass das Ende des Dollars, Euros oder der Papierwährungen generell direkt bevorsteht.
Glänzendere Alternativen
Warum sollte man nicht trotzdem einfach alles auf Gold setzen? Auch das hat historische Gründe. Denn auch wenn zuletzt der Trend am Edelmetallmarkt zum Beispiel durch eine starke Nachfrage von Gold abbildenden ETFs und strategischen Käufen der Notenbanken gestützt wurde, zeigten die Schwankungen Ende Oktober klar, dass dies keine Garantie auf ewig steigende Edelmetallpreise ist. Denn auch wenn Gold nach menschlichem Ermessen sehr sicher nicht in den nächsten 10, gar 50 oder wahrscheinlich auch 100 Jahren völlig wertlos werden dürfte, hat es ein grundsätzliches Problem als Anlageform: Es wirft keine Ertrage ab, wie es Aktien durch Dividenden oder Anleihen durch Zinsen tun. Einen Gewinn gibt es ausschließlich durch Preissteigerungen, und die können lange auf sich warten lassen. Wer zum Beispiel Anfang der 1980er Jahre - in einer ebenfalls politisch unsicheren Zeit - in Gold investierte, lag über Jahrzehnte im Minus. Erst nach rund einem Vierteljahrhundert drehte sich die Stimmung und es wurde wieder die Gewinnzone erreicht. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, Risiken zu sehen und zu managen. Aber es ist eher keine gute Idee, sich bei einer langfristig ausgelegten Anlagestrategie von Angst leiten zulassen. Deswegen nutzen wir Gold durchaus als strategische Absicherungsposition, passen unseren Bestand je nach Lage an und schöpfen auch gerne entstandene Gewinne ab. Aber trotz aller unbestreitbar bestehenden Zweifel, globaler Probleme und politischer Unsicherheit glauben wir grundsätzlich an die Kräfte der Wirtschaft. Die Beteiligung am Erfolg von gut geführten Unternehmen bietet auf Dauer die beste Chance, Vermögen aufzubauen und in schwierigen Zeiten zu erhalten. Auch das zeigt ein Blick in die Geschichte. Ein gut diversifiziertes Aktienportfolio war langfristig selbst über Krisenzeiten hinweg ein stabiles Investment. Das heißt, wie bereits gesagt, nicht, dass man auf Gold als Vermögensbaustein komplett verzichten sollte, aber wer nur darauf setzt, ist eher Spekulant als ein langfristig handelnder, vernünftiger Anleger. Wer das nicht glaubt, sollte einen Blick auf den berühmt berüchtigten Goldrausch in den USA um das Jahr 1848 herumwerfen. Reich wurden damals in den allermeisten Fällen nicht die Goldschürfer, sondern eher diejenigen, die Schaufeln verkauften. Das zeigt, gerade wenn wieder mal alle dem gelben Glanz hinterherjagen, kann es sich besonders lohnen, mit kühlem Kopf auch alternative Chancen abzuwägen.
Die PDF wurde uns vom regionalen Wirtschaftsmagazin netzwerk südbaden zur Verfügung gestellt: netzwerk südbaden


